Telefonzellen

Die Telefonzelle als Spiegel des Zeitgeist

In vielen Ländern Europas werden die öffentlichen Telefonhäuschen schon seit Jahren nach und nach abgebaut. Aus Rentabilitätsgründen können die Telekombetreiber die oft schönen, alten Telefonzellen nicht mehr betreiben.

Londoner Telefonzellen

Telefonzellen in London

Im Zeitalter der Handys sind Telefonzellen ein Relikt aus alten Tagen, man findet heute in Europa fast nur noch einfache, verjüngte Systeme. Diese sind häufig an Knotenpunkten des täglichen Lebens installiert. An diesen Wichtigen, viel frequentieren Stellen, kann man auch heute noch öffentliche Telefone finden.

An Bushaltestellen, Bahnhöfen, Kaufhäusern, Flughäfen und anderen öffentlichen Einrichtungen finden sich die offenen, aber auch geschlossenen Telefonzellen.

Allerdings sind diese immer häufiger recht klein und nicht mehr als richtige, eigenständige Telefonzelle ausgeführt.

Man telefoniert somit „im Freien“, jeder Passant kann mitlauschen. Es fehlt irgendwo dabei das Gefühl, hier ich bin ich alleine und kann sagen, was ich denke.

offene Telefonsysteme

„offene“ Telefonzellen, ohne Häuschen

Aber der Trend zeigt ganz deutlich nach unten. Die konventionelle Telefonzelle, wie auf dem Bild aus London, ist aus dem Stadtbild ja schon quasi verschwunden. Vereinzelt trifft man sie noch, die Häuschen zum Telefonieren. Doch Liebhaber der originalen Telefonzellen haben sich bereits eingedeckt. In den Parkanlagen und Gärten echter Fans und oft auch Trendsetter, kann man wieder das gute, alte Telefonhäuschen finden.

Die Miniaturisierung zeigt auch hier wieder ihre Spuren. Die Telefonzentrale von einst, in der mehrere Personen die Telefonate von Hand vermittelt haben, ist passé. Heute vermitteln riesige Antennen die Funkdaten, abgesendet von kleinen Minisendern in Handys und anderen Miniatur-Telefonen. Die mobile Kommunikation ist so weit, dass statistisch gesehen jeder Bürger mehr als ein Handy zur Verfügung hat.

Funkantenne eines Providers in Turin

Funkantenne eines Handy-Providers

Die Daten werden an eine Kommunikationszentrale geleitet. Dort werden die empfangenen Verbindungsinformationen, Sprach- und/oder Datenpakete von Servern, Switchen und weiterer Providertechnik empfangen. Zum Ziel werden sie dann entweder wieder über eine Antenne geleitet, oder direkt in das Festnetz der Telekommunikationsanbieter einspeist.

Die Telefonzelle bekommt davon nichts mehr mit, sie ist ein Relikt vergangener Tage, das aber immer häufiger von Sammlern als Retro-Produkt oder auch antikes Andenken wiederentdeckt wird.

 

Das Telefonhäuschen als Relikt des Wandels

 

Was dieses Kulturgut alles zu bieten hat:

  • Kommunikationszentrale.
  • Treffpunkt.
  • Sprachrohr.
  • Mittel zum Zweck.
  • Intimes Häuschen.
  • Austausch von Zärtlichkeiten am Telefon.
  • Notizen auf Papier schreiben.
  • Telefonbuch durchwälzen.
  • Platz zum Lachen oder auch mal Weinen.
  • Lügen erzählen, bis sich die Telefonzellenbalken biegen.
  • Tränen der Freude, aber auch der Trauer.
  • Faszination dank Schlichtheit.
  • Kurzweile durch regen Kontakt zur Aussenwelt.
  • Glashaus, man konnte sich drin wärmen wenns einen fror.
  • Beobachtungshäuschen
  • Liebestreff.
  • Darf ich endlich auch mal? Du …
  • Konnte man da eigentlich auch mal telefonieren?
auch im Winter aktiv mit der Telefonzelle
Funktionert auch im Winter: die Telefonzelle

Die Telefonzelle als Kontaktzentrale?

Heute wohl nicht mehr vorstellbar, aber in einer Retro-Aktion durchaus denkbar, das nochmal zu pushen.

Die Telefonzelle ist tot – es lebe die Telefonzelle!